Gleich am Anfang des Tals, das aussah wie ein großes, breites Flußbett und von dem ich mich immer wieder fragte, wie der winzige Bach, der in ihm floß, es in dieser Breite hatte in die Berge graben können, gleich am Anfang dieses Tals fuhren meine Mutter und ich 1991 mit dem Auto eine Kröte tot, und zwar nicht weit von der Stelle, an der ich drei oder vier Jahre später ein Reh totfuhr. Als ich das Reh totfuhr, kam ich gerade von einer Fahrt durch die Nacht, die kein Ziel und im Grunde auch wenig Sinn gehabt hatte, wenn man unter Sinn versteht, daß sich am Ende etwas Angenehmes vorzeigen läßt. Ich war losgefahren, weil ich nicht schlafen konnte, weil ich fürchterlich wach war und unbedingt etwas tun mußte, etwas, wovon ich nicht wußte, was es war, wovon ich nur wußte, daß ich es in dem Haus, in dem ich lebte und das in einem Dorf am Ende dieses Tals mit dem kleinen Bach stand, mitten in der Nacht nicht tun konnte.
Also stieg ich in das Auto meiner Eltern, ein weißer Renault Nevada, und fuhr los. Ich fuhr zwei Stunden von einem Dorf zum anderen, ich fuhr, weil ich nicht genau wußte, wohin, in Umwegen bis nach Landau. Dort hielt ich, weil ich zufällig daran vorbeikam, vorm Mash und ging hinein. Ich stieg die lange und breite Treppe hinunter, die ich schon fünfzig- oder hundert- oder sogar hundertfünfzigmal hinabgestiegen war, auch wenn das schon eine Weile her war, es war schon sieben oder acht Jahre her. Ich stieg diese Treppe, die ich immer irgendwie großzügig und freundlich fand, hinunter und kam zum Kassentisch, der leer war und an dem niemand saß. Ich durchquerte den ersten winzigen Raum, der sich um den Fuß der Treppe herum legte und in dem nur der leere Kassentisch stand und ein Spielautomat an der Wand hing. Ich betrat den zweiten Raum, in dem eine Bank an der Wand entlang um einige kniehohe Tische führte und der sich in einen Schlauch hinab zur Bar öffnete. Auf der Seite, auf der sich auch die Türen zu den Toiletten befanden, war der Schlauch von einer langen, zweistufigen terrassenartigen Bank flankiert. Die Bar selber zog sich eng an der Wand in die Tiefe und schimmerte mit ihren Messingbeschlägen und ihren Hunderten von Flaschen und Gläsern in rotem Licht. Hinter ihr kam ein dritter Raum, in dem ein Flipper und einige Sofas standen, und der Bar gegenüber befand sich der Durchgang zur Tanzfläche, die wie ein kleines Theater und genau wie der Schlauch von stufenförmigen, terrassenartigen Riesenbänken umfaßt wurde. Und in der Ecke neben dem Durchgang befand sich in einem Holz- und Plexiglasverschlag das DJ-Pult.
An der Bar, mit dem Rücken zu mir, saß Michi und unterhielt sich mit Wolli. Ich wunderte mich, daß sie immer noch hierher kamen, sie waren vor Jahren hier Stammgäste gewesen und waren es entweder immer noch, oder sie waren ganz zufällig hier, genau wie ich. Ich wunderte mich auch, daß sie zusammen da waren und sich ganz friedlich miteinander unterhielten, denn ihre Freundschaft war eigentlich wegen einer Frau zerbrochen, nämlich wegen Wibi. Wibi war erst mit Michi zusammen gewesen, hatte dann eine Affäre mit Wolli begonnen, der einer von Michis besten Freunden war, und hatte Michi dann, nachdem die Affäre mit Wolli eine Weile gut gelaufen war, verlassen. Wolli sah aus wie der junge David Bowie, er hatte was Androgynes, eine kräftige Stirn, ein schmales, langes Gesicht und eingefallene Wangen, er trug löchrige Muscelshirts unter seiner Lederjacke, schwarze Jeans und Camelboots, er war so ein dünner und knochiger Typ. Michi war blond und hatte schmale Augen über ganz hohen Wangenknochen, so daß er im Gesicht ein wenig aussah wie ein Leopard. Er hatte extrem breite Schultern, stand immer sehr aufrecht und breitbeinig da, wippte auf den Fußballen und hängte die Daumen in die Taschen ein, was bei ihm aus irgendeinem Grund überhaupt nicht wie bei einem Angeber aussah. Wenn die Musik im Mash zu laut war, bog er seinem Gesprächspartner den Oberkörper zu, damit der mit seinem Ohr ganz nahe herankommen konnte.
Wolli und Michi waren älter als ich, und sie gehörten zu den Leuten, die insgeheim meine Eltern waren, als meine Eltern eine Weile als Eltern nicht mehr so gut funktionierten, weil sie mir nur Kummer bereiteten und ich ihnen auch. Michi und Wolli wußten das gar nicht. Michi habe ich es einmal gesagt, da war er richtig schockiert. Ich habe es ihm an irgendeinem Lagerfeuer gesagt, oder als wir einmal betrunken auf dem Schulhof standen oder direkt danach, auf dieser Fahrt nach Stuttgart, als er, wir hatten da noch keinen Führerschein, mit uns auf ein Konzert von Santana fuhr, was für uns das Größte war. Also nicht das Santanakonzert, an das ich mich seltsamerweise schon nach wenigen Wochen überhaupt nicht mehr richtig erinnern konnte, sondern daß Michi mit uns dorthin fuhr in seinem alten, schwarzen Peugeot, in dessen Handschuhfach ein Piece lag, aus dem wir uns was bauen durften. Ich glaube, ich saß vorne, und Könich saß hinten, und ich durfte bauen und war stolz darauf. Und als ich Michi dann sagte, daß er für uns ja ein Vorbild sei, war er, wie gesagt, ganz schockiert und meinte, das sei eine schlechte Idee, und es ist lustig, wie jemand, der gar kein Vorbild sein will und auch gar nicht versteht, was an ihm so vorbildhaft sein soll, für andere plötzlich eins ist. So etwas kann eine Menge Verantwortung mit sich bringen und einen Menschen völlig verändern, wenn die Leute, die ihn zum Vorbild wählen, richtig viele sind.
Jedenfalls hat Wibi Michi verlassen, nachdem sie eine Weile mit beiden zusammen war, mit Wolli und mit ihm. Wibi hat Wolli im Nightmare kennengelernt, wo sie beide gekellnert haben, und schon dort hat sie ihn immer so angelächelt, so schmunzelnd, mit ihrem hübschen Mund, und an ihren Zigaretten gezogen und ihm während des ganzen Zuges in die Augen geschaut. Das sah aus, als denke sie über das, was Wolli ihr gerade gesagt hatte, ganz genau nach, und wenn sie den Rauch ausblies, schien es, als lachte sie anerkennend wegen des schlauen Gedankens, den er da hatte.
Auch zu mir war Wibi immer nett, aber sie war circa drei Jahre älter als ich, so alt wie mein Bruder, und schon für meinen Bruder war sie tabu, weil mein Bruder einer der besten Freunde von Michi war. Und da Michi mein Vorbild und der beste Freund meines Bruders war, war Wibi für mich doppelt tabu, was niemanden interessierte, weil ich für sie nicht einmal tabu, sondern einfach nur der okaye kleine Bruder des besten Freundes von Michi war.
Einmal saß ich mit ihnen allen zusammen auf einem Fest meines Bruders, ich hatte eine Gitarre und spielte »When the Wip comes down« von den Stones. Das Lied besteht nur aus zwei Akkorden, die ich abwechselnd so wild schrammelte, wie ich konnte. Die Strophen sind sehr kurz, und der größte Teil des Textes besteht einfach aus den Wiederholungen des Refrains: »When the wip comes down, when the wip comes down – when the wip comes down.« Als ich fertig war, schauten alle ganz betroffen auf den Teppichboden des Zimmers meines Bruders, Michi und Wibi und Wolli und mein Bruder, und mein Freund Dieter, der mich dazu angestachelt hatte, dieses Lied zu spielen, weil er es toll fand, daß sein Freund ein Lied von den Stones vollständig spielen und singen konnte, grinste verlegen in der Gegend herum, und erst heute kommt mir die Idee, daß sie auch wegen der komplizierten Liebesverhältnisse, die sie untereinander hatten, so bedrückt auf den Boden geschaut haben könnten. Aber das glaube ich nicht. Ich glaube, daß sie so bedrückt auf den Teppichboden schauten, weil sie mein Lied oder die Art, wie ich es gesungen und gespielt hatte, störend fanden oder peinlich, weil es wahrscheinlich tatsächlich fürchterlich störend und peinlich gewesen war, peinlich für mich. Sie schämten sich – und zwar für mich.
Als ich von Wibis und Wollis Affäre hörte, dachte ich, daß es witzig ist, wie ernst und dramatisch das allen und auch mir vorkam, obwohl es ganz ähnliche, vielleicht sogar beinahe identische Liebeskonstellationen schon vor 5000 Jahren bei den Ägyptern und den Sumerern gegeben hat, und daß vielleicht schon damals jemand eine Geschichte darüber schrieb und daß wir sie unter Umständen sogar lesen könnten, und daß Michi, Wibi und Wolli dort einfach nur anders hießen, und wahrscheinlich gab es beinahe identische Liebesverhältnisse bereits noch früher, bei Völkern, die noch nicht schrieben, bei denen aber im Grunde alles schon ganz ähnlich war wie heute bei uns, deren Namen wir nur nicht mehr kennen, weil sie nicht in der Lage waren, sie zu notieren.
Jedenfalls verließ Wibi Michi, zog zu Wolli und lebte zwei oder drei Jahre mit ihm zusammen. Den Kontakt untereinander brachen Michi und Wolli ab. Dann kehrte Wibi zu Michi zurück, und heute sind sie verheiratet, haben ein Kind und bauen ein Haus in einem Dorf unterhalb einer der Burgen, die in dem Mittelgebirge, in dem ich groß wurde, massenweise herumstehen im Wald. Sie waren mal bedeutende Festungen, Zentren der Macht, aber heute stehen sie nur noch herum und sehen gut aus. Gemütlich und morbid.
Ich wunderte mich, daß Michi und Wolli jetzt an dieser Bar im Mash saßen und sich so friedlich miteinander unterhielten, denn eine Zeitlang waren sie schließlich mehr oder weniger Feinde gewesen. Und als ich an den Barhockern entlang auf sie zuging, ohne daß sie mich bereits bemerkt oder erkannt hätten, und einen Blick auf die Tanzfläche aus schimmernden Messingblechplatten warf, sah ich dort Wibi tanzen mit ihren typischen Bewegungen, die sehr schön aussahen. Sie ließ ihre langen Haare übers Gesicht fallen, wiegte sich in Schultern und Hüften, streckte die Arme eng am Körper nach unten und knickte die Handgelenke ab, so daß ihre Hände wie kleine Flügel abstanden. Über ihre Haare und ihr T-Shirt und ihre Jeans und die terrassenartigen Stufenbänke mit ihrem harten, ranzigen Teppichbelag, der im Laufe der Jahre Hunderte von Litern vergossenen Biers aufgesogen hatte und auf dem man Zigaretten ausdrücken konnte, ohne daß irgend etwas angefangen hätte zu schmoren oder zu brennen, liefen die handgroßen Lichtblumen der Discokugel, die sich in der Mitte des Raumes an der Decke drehte und aus verschiedenen Richtungen von kleinen Strahlern mit weißem Licht beschienen wurde. Die Lichtblumen zogen ihre schrägen Kreise und berührten alles sehr behutsam, als streichelten sie den Raum. Ich blieb kurz stehen, betrachtete Wibi und dachte wieder, wie schön sie war, und überlegte, warum jemand wie sie und jemand wie ich, also jemand, der es wo aushielt, und jemand, der es nirgendwo aushielt, niemals zusammenkämen. Ich dachte nicht lange nach, mir war gleich klar, warum das so ist, und ich wußte, daß man es niemals trotzdem probieren sollte, es sei dann, man möchte bewußt eine Zeitlang mal unglücklich sein.
Ich wandte mich wieder der Bar zu und ging langsam auf Michi und Wolli zu, ich ging, mit den Händen in den Taschen, so schräg auf sie zu, mit leicht vorgestrecktem Kopf, um ihnen gleich ins Gesicht schauen zu können. Plötzlich fiel mir auf, daß sie beide wieder lange Haare hatten, obwohl ich sie zum Schluß mit kurzen gekannt hatte, sie hatten beide wieder ihre langen Haare, Michi diese strohgelben halblangen und Wolli diese schönen, kastanienbraunen schulterlangen, und als ich noch näher kam, ich war jetzt so nah, daß ich schon hätte Hallo sagen können, wandten sie mir ihre Gesichter zu, und für eine Sekunde waren es Totenköpfe, die mich anschauten, leere Augenhöhlen und breite, grinsende Münder ohne Lippen und Fleisch um die Zähne. Aber es war nur das Licht, das an diesem Ende der Bar sehr diffus war und ihnen Schatten in die Augenhöhlen legte. Sie hatten ganz normale Gesichter, aber es waren nicht die von Michi und Wolli. Obwohl, es waren schon irgendwie ihre, aber nicht richtig. Ein paar ihrer Merkmale hatten sie ausgetauscht, Wolli hatte Michis schmale Augen und Michi Wollis eingefallene Wangen, andere Merkmale hatten sie weggelassen und fremde dazugeholt, sie sahen viel jünger aus als Michi und Wolli heute aussehen konnten, und ich erkannte, daß sie es einfach nicht waren. Sie waren ganz andere Leute, die bloß von weitem in dem schummrigen Licht so ausgesehen hatten, als ob sie es wären.
Ich ging an ihnen vorbei und schaute sie vermutlich mit weit aufgerissenen Augen an, und auch sie schauten mich an, es war, als bremste jemand die Zeit, ihre Gesichter schwebten vor mir vorüber und meines vor ihren. Dann lief die Zeit plötzlich wieder normal. Ich ging an den letzten leeren Barhockern vorbei und stand im Durchgang zu dem letzten Raum, in dem früher der Flipper war und in dem jetzt Bistrotische und Stühle standen, die so aussahen, daß man denkt, man setzt sich drauf und fängt sofort an zu frieren.
Auf einmal war es, als ob ich zu mir kam, ich hörte plötzlich auch die Musik, die schon die ganze Zeit gelaufen war, ohne mein Bewußtsein zu erreichen. Gerade endete ein Stück von Led Zeppelin, das ich kannte und das No Quater hieß, und dann begann eins von Pearl Jam, das ich nur an der Stimme erkannte und von dem ich nicht wußte, wie es hieß. Ich drehte mich um, schaute zur Tanzfläche und sah das Mädchen, von dem ich mir nun sicher war, daß es nicht Wibi sein würde, die Tanzfläche verlassen und an der Bar vorbei zu den Toiletten gehen. Sie ging so an den beiden, die ich für Michi und Wolli gehalten hatte, vorbei, daß klar war, daß sie sie gar nicht kannte. Auf einmal nahm ich auch die ganzen anderen Leute wahr, die auf den Terrassenstufen und an der Bar saßen und die ich alle nicht kannte, obwohl sie alle so aussahen, als ob ich sie kannte.
Ich fühlte mich nicht gut, ich hatte mich schon zu Hause beim Losfahren nicht gut gefühlt, und jetzt, als ich das Mash verließ und die große, breite Treppe wieder hinauf zu der schweren Eingangstür stieg, kam es mir vor, als ob ich mich in einem riesigen Aquarium befände und mich am Geländer gegen das Gewicht des Wasser nach oben ziehen müßte. Ich setzte mich in das Auto meiner Eltern und fuhr durch die Nacht zurück, ich fuhr nun keine Umwege mehr, ich wollte ganz schnell nach Hause, ich hatte das Gefühl, mein Leben verschwendet zu haben an diesem Abend, und ich wußte nicht, wie ich zurückkommen könnte. Vielleicht fuhr ich gar nicht zu schnell, aber dafür, daß im Grunde immer etwas auf die Straße springen kann, fahren alle Menschen immer zu schnell mit ihren Autos, ihren eigenen oder geliehenen, ganz egal. Ich sah das Reh, wie es ins Licht meiner Scheinwerfer lief, und ich sah, wie es vor meinen Kühler lief. Ich sah, wie mein Renault es mit der Stoßstange und dem rechten Scheinwerfer erfaßte, wie es sich einmal um die eigene Achse drehte und in die Böschung am Straßenrand fiel. Ich hielt den Renault, ging zurück und fand das Reh neben einem Busch Brennesseln auf dem Laub liegen. Es atmete schwer und schaute mich aus seinen großen braunen Augen an. Ich kniete mich neben es und streichelte seinen Hals, ich legte mein Gesicht an seine Wange und streichelte es weiter und sagte in einem fort, wie leid es mir tue, und kam mir gleichzeitig böse und falsch vor, weil ich dachte, wenn es dir wirklich ernst wäre, würdest du nicht nachts völlig umsonst in der Gegend herumfahren und dabei das Leben von Tieren wie diesem aufs Spiel setzen für dein Vergnügen, das nicht einmal ein Vergnügen, sondern nur ein dummes Herumirren war, und für das, selbst wenn es ein Vergnügen gewesen wäre, doch kein Leben geopfert werden müßte, dachte ich, und gleichzeitig wußte ich, daß ich das alles vergessen würde, daß niemand mir einen Vorwurf machen und daß ich deshalb sehr bald schon aufhören würde, mir selber einen zu machen. Ich hielt den Kopf des Rehes im Arm und auf meinem Schoß, und es sah mich mit seinen braunen Augen an, als ob es gar keine Angst vor mir hätte, und dann starb es. Ich fuhr nach Hause und rief die Polizei an, fuhr wieder hinunter und zeigte ihr, wo das tote Reh am Straßenrand lag. Die Polizei notierte das alles, den Wildschaden, den Ort und die Uhrzeit und wer ich war.
Dann fuhr ich zum dritten Mal in dieser Nacht durch das Tal, in dem meine Mutter und ich neben dem Fischteich, der gleich am Anfang dieses Tales liegt, vier Jahre zuvor zum ersten Mal einen Krötenzaun errichteten, weil die Straße jedes Frühjahr immer nur so übersät gewesen war von plattgefahrenen Kröten. Nachdem wir selber nicht zum ersten Mal eine plattgefahren hatten, hielten wir zunächst immer an und sammelten die Kröten, die wir auf der Fahrbahn fanden, auf, aber das war nicht effektiv, sondern nur irgendwie gut gemeint. Deshalb installierten wir den Krötenzaun, liefen ihn ab, sammelten zweimal am Tag die Kröten aus den Eimern und trugen sie über die Straße zum Teich. Die Kröten fingen sehr früh im Jahr an zu wandern, es war da morgens immer noch sehr kalt, ich hatte immer kalte Füße in den Gummistiefeln und steife Finger in den Arbeitshandschuhen meines Vaters, die ich trug, weil ich die Kröten mit bloßen Händen nicht anfassen mochte.
Später habe ich mal einen Stand Up-Comedian gesehen, der fragte: Woran erkennt man eine Froschwanderung? Na, wenn man da genau hinschaut, haben die Frösche so kleine Ranzen auf dem Rücken. Und wenn man die aufmacht, und da sind so kleine Brote in Butterbrotpapier drin, und wenn man die auswickelt, ist da so leckerer Schleim auf den Broten, und wenn da in dem Ranzen noch ne Thermoskanne ist, und wenn da, wenn man die aufmacht, so leckeres Brackwasser rauskommt – das is ne Froschwanderung!
Da mußte ich lachen.
