I am still a victim of chess. It has all the beauty of art – and much more. It cannot be commercialized. Chess is much purer than art in its social position, sagte Marcel Duchamp, der eine Zeitlang versuchte, vom Verkauf von Metallkettchen, Armbändern und Krawattennadeln mit den vier Buchstaben DADA zu leben.
Sich denken:
Privatwirtschaftlich geförderte Kunst als Kunst als Werbung.
Privatwirtschaftlich geförderte Kunst als gekaufte Kunst.
Dagegen staatlich geförderte Kunst als korrumpierte Kunst:
Schreiben für Jurorinnen und Juroren,
Malen für Jurorinnen und Juroren,
Komponieren für Jurorinnen und Juroren.
Kirchlich geförderte Kunst als historischer Humus privatwirtschaftlich geförderter Kunst.
Vom Feuilleton beachtete Kunst als verwertbare Kunst.
Vom Feuilleton besprochene Kunst als fürs Feuilleton produzierte Kunst.
Vom Feuilleton besprochene Kunst als vom Feuilleton verstehbare Kunst.
Verstehbare Kunst als verwertbare Kunst.
Verwertbare Kunst als nutzlose Kunst.
Unverstehbare Kunst als die einzige sinnvolle Kunst.
Unverstehbare Künstler zunächst mal als Bettelkünstler, und gut und gerne für immer.
André Breton ließ sich publizistische Gefallen, die er seinen Maler- und Bilderhauerfreunden erwies, stets in Kunstwerken vergüten, was sich als äußerst gute Idee erwies: der Verkauf dieser Werke – die Künstler waren inzwischen berühmt geworden – rettete Breton später verschiedene Male vor dem Ruin.
Sinnstiftende Kunst als Metaphysikersatz,
sinnstiftende Kunst als sinnlose Kunst,
sinnstiftende Kunst als gar keine Kunst.
Sich denken:
die Gesellschaft als Feuilleton,
die Gesellschaft als Gesellschaft zweier ineinander verschränkter Du-weißt-schon:
das neoliberale Du-weißt-schon und das feuilletonistische. Ein Drittes Du-weißt-schon ist nicht in Sicht.
Mein Onkel, der Bundeswehroffizier, zu seinem Freund, dem Kunstmaler: Eigentlich bin ich viel freier als Sie. Ich kann sagen und tun, was ich will – auch nichts, wenn ich will –, mein Einkommen verliere ich in diesem Leben nicht mehr. Sie dagegen müssen malen, was gefällt, oder nicht? Sonst sitzen Sie doch rucki zucki auf der Straße.
Die anvisierte Übernahme jeglichen Handelns durch die Ökonomie.
Die anvisierte Übernahme sogar des Nichtstuns durch die Ökonomie.
Die Übernahme der Kunst durch die Ökonomie.
Die Übernahme des Privaten durch die Ökonomie.
Die Übernahme der Ökonomie durch die Ökonomie. (Seither brauchen Betriebe Beratung von Philosophen.)
Marcel Duchamp, der einmal eine hässliche Frau heiratete, von deren Vater er sich eine bedeutende Mitgift versprach.
Dagegen: staatlich gefördertes Denken als einzig freies Denken.
Staatlich geförderte Kunst als die einzige freie Kunst.
Beamte als die einzigen freien Denker!
Staatlich geförderte Künstler als die einzigen freien Beamten!
Als er den Nobelpreis zugesprochen bekam, lehnte Sartre ab. Jahre später schrieb er einen Brief an die Akademie mit der Bitte, das Geld nun doch zu überweisen. Er wolle einen Freund unterstützen. Der Anspruch auf das Preisgeld war aber bereits verfallen.
Staatlich geförderte Kunst als Widerstand gegen den Markt.
Staatlich geförderte Kunst als Widerstand gegen den Staat.
Privatwirtschaftlich geförderte Kunst als Widerstand gegen den Staat.
Privatwirtschaftlich geförderte Kunst als Widerstand gegen den Markt.
Von den Einkünften aus seiner literarischen Produktion konnte Gottfried Benn gerade mal seine Streichhölzer bezahlen.
Privatwirtschaft als Widerstand gegen den Staat.
Staat als verwaltete Kapitulation vor dem Markt.
Staatlich geförderte Kunst als verwaltete Kapitulation vor dem Markt.
Edek M.: Ich bewundere B., er schreibt so großartige Bücher.
Georg K.: Aber er verkauft nichts.
Edek M.: Aber er ist doch ein Held, er muss doch gar nichts verkaufen. Er weiß doch auch so, wer er ist und welche Bedeutung er hat.
Georg K.: Glaub mir, auch er weint heimlich unter der Dusche.
Veröffentlichte Kunst als vom Künstler für ihn selbst gemachte Kunst.
Nicht veröffentlichte Kunst als einzige für die Leute gemachte Kunst.
Das Wort Gesellschaft ersetzen durch das Wort Geldschaft.
Die freie Gesellschaft mithin ersetzen durch die freie Geldschaft.
Freiheit in der gegenwärtigen Geldschaft ersetzen durch Freedom.
Freedom als rein ökonomischer Terminus.
Freedom als einziger Parameter der neuen Weltordnung (ja, schon da).
'Das Freedom des Menschen in dieser Geldschaft' als unmöglicher Satz.
Piet: Der Papierkrieg mit dem Arbeitsamt ist ja viel mehr Arbeit, als wenn man arbeitet!
Die Fabrik fabriziert von allein,
die U-Bahn fährt von allein,
die Kasse kassiert von allein,
das Web designt sich allein,
die Häuser druckt der Drucker aus,
print a house, print a house on demand.
Der Galerist und Sammler Aki Bleich-Rossi bewunderte, ja liebte Martin Kippenberger. Wenn Kippenberger Geld brauchte, schrieb er: „Bleichi, brauche Geldi!“ Dann kam Bleich-Rossi angereist und kaufte ein Bild von ihm.
Privatwirtschaftlich geförderte Kunst als einzige freie Kunst.
Gar nicht geförderte Kunst als einzige freie Kunst.
Gar nicht produzierte Kunst als einzige freie Kunst.
Das Wort Kunst ersetzen durch –––.
––– als das Gegenteil von Kunst.
––– als Truhe, in der das Licht angeht, wenn man sie schließt.
Am Morgen ging ich auf die Terrasse. Hinter dem Haus berührten die ersten Sonnenstrahlen das Feld. Ich wusste auf einmal, dass es nichts gab, was ich tun musste. Ich musste weder dies tun, noch das. Ich musste nur aufpassen, dass mein Nichtstun nicht zu irgendwas nutze war.
