Texte & Co

Interview mit Florian Thalhofer und Tobias Hülswitt | 2008
Florian Thalhofer und Tobias Hülswitt im Interview mit den Münchner Kammerspielen über die Gesprächsreihe Hilfe, Freiheit!, die einmal ein Film sein wird, über nonlineares Erzählen, Kommunikation, Kapitalismus, die Weisheit der Leute und den unendlich scheinenden See der Möglichkeiten. Die Sache ist nämlich die: nie waren die Eliten angepasster als heute. Das Denken ist umgezogen zum Volk.


Anke Angermeyer | Tag (DE) | 2008

Als Anke Angermeyer den nächsten Tag planen wollte, stieß sie auf ein Problem: Der Zettel war zu klein. Denn es war ja – ist ja! – so vieles gleichzeitig drin, und das zu jedem Moment! Ein größeres Papier musste her ... fünf Meter wurde es lang: TAG. Von Anke Angermeyer. Enjoy!


Korsakow-Institut | Reihe Hilfe, Freiheit! (DE) / (ENG) | 2008
In der Spielzeit 2008/09 veranstaltet das Korsakow Institut für Nonlineare Erzählkultur in Zusammenarbeit mit den Münchner Kammerspielen die Reihe Hilfe, Freiheit! an den Münchner Kammerspielen. Gefördert vom Goethe Institut und der Bundeszentrale für politische Bildung und dem Kulturreferat der Landeshauptstadt München.


Enzio Wetzel (Hg.) | Die Nonlinearen sind längst Eiswürfel holen (DE) | Goethe Institut, München 2008
Ein Streitgespräch über Linearität und Nonlinearität in Geschichtsschreibung, Narration und Gesellschaft. Marcus Hawel, Florian Thalhofer, Tobias Hülswitt u.a. Dem Büchlein ist der Korsakow-Fim [Vergessene Fahnen] von Florian Thalhofer und Juliane Herich beigelegt. Zu beziehen über das Goethe Institut München.


Tobias Hülswitt | Erzählen 2.000 (DE) | 2008
Im Frühjahr 2008 eine Einladung zu einem Lehrauftrag für 'Bild/Wort-Erzählen zur Kunst' an der Akademie der Bildenden Künste bekommen. Daraus zwei Blockseminare zu Anti-Aristotelischer Narration gemacht. Meint: Nonlineare Narration, bei der sich Old Aristotle noch immer im Grab umdreht. Wunderbares Setting, alles beisammen, Text, Film, Bild, bei hervorragender technischer Ausstattung in der Akademie. Ein Fest. 2 Tage, an denen Tobias Hülswitt alles gab, und zwei, an denen die Studierenden alles zurückgeben. Now you're really givin' all you got, now you're getting all you gave, now you're living what this life is all about!


Tobias Hülswitt | The Beauty Of Art (DE) | 2008
Auftragsarbeit für die begleitende Publikation zur Ausstellung 'Silicon verbindet – Kunst und Konzern' (!), eine Zusammenarbeit der Akademie der Bildenden Künste München mit der Wacker Chemie AG. Stop thinking, stop writing, stop doing!


Susan Blackmore | Meme Machine (Video, ENG) | 2008
Wir wissen noch nicht genau, was Susan Blackmores erweiterte Mem-Theorie mit Nonlinearer Erzählkultur zu tun hat. Eine erste Intuition aber stellt eine Verbindung zu Kurzweils Teleologie der Intelligenz (so teleologisch wie Aristoteles Erzähltheorie) her: Die Intelligenz sei die eigentlich treibende Kraft im Universum, ihr Ziel, sich im gesamten Universum auszubreiten und es zu erfüllen, und wir nur ihre Träger, die von besseren Trägern künstlicher Natur abgelöst werden können. Die Gene umzuschreiben heißt in keiner Weise, mit der Evolution zu brechen. Im Gegenteil, es heißt, sie zu beschleunigen. Sich zur Verbreitung von Memen zur Verfügung zu stellen, ebenfalls. Ein weiteres Indiz dafür, dass der Mensch nur eine Möglichkeit hat, keiner Sache Diener zu sein: Hinsetzen, nichts tun, nichts denken. Zugegeben, auch nonlineares Erzählen und Erzähltbekommen ist keineswegs Nichtstun. Aber es ist schon mal ein entspannteres, nicht so panisches Tun. Boykott evolution. Don't do anything.
Andererseits korrespondiert Blackmores Mem-Theorie mit Machs Elemente-Theorie der 'Antimetaphysischen Vorbemerkungen': 'Es denkt, sollte man sagen, so wie man sagt: es blitzt.' Und die Vorbemerkungen haben wir bislang als anti-aristotelisch, also anti-teleologisch gelesen. Sollte sie sich früher Version Dawkins Mem von den Memen entpuppen, beginnt der Text zu flirren. Entspannend, weil den Subjektdruck mildernd, wenn es denkt und nicht ich. Anstrengend bis bedrohlich, wenn dieses es (das nicht Freuds Es ist) nun auch wieder ein Ziel besitzt…


Tobias Hülswitt | Interview with Ray Kurzweil (ENG) | 2007
Im Januar 2008 interviewte Tobias Hülswitt den Erfinder Ray Kurzweil in dessen Büro in Boston.
Kurzweil ist nicht nur bekannt für den Kurzweil Synthesizer, den ersten Synthesizer, der den Klang eines Konzertpianos so perfekt nachahmen konnte, dass Experten den Unterschied nicht mehr hören. Und Laien erst recht nicht. Und er erfand nicht nur den knfb-Reader, der es einem Handy ermöglicht, seinem blinden Besitzer Texte – Speisekarten, Briefe, Rechnungen, you name it – vorzulesen. Kurzweil sagt nicht nur voraus, dass künstliche Intelligenz die menschliche im Jahr 2045 überholen wird, sondern auch, dass niemand, der heute unter 60 ist, mehr sterben muss, sofern er nicht irgendwo runterfällt.
Es ist nicht der Zukunftshokuspokus, der uns an seiner Arbeit interessiert. Sondern die Tatsache, dass sein eigentliches Medium – obschon er auch einige Bücher geschrieben hat – der Körper ist. Denn Kurzweils erklärtes Ziel besteht darin, den Körper so umzuschreiben, dass ihm gelingen wird, was die Erzähler aller Zeiten versuchten, wissend, dass sie scheitern werden, da sie nur in Wörtern und nicht in Genen, Zellen und Stoffwechseln schrieben: Den u.V.v.D. zu bremsen, zu stoppen und womöglich sogar umzukehren: den unaufhörlichen Verlust von Dasein, der vom Anbeginn bist heute alles und alle in seinem Griff hat.
Natürlich fragte TH ihn auch, wie die Erzählung der Zukunft aussieht. Eine geschlossene Einheit mit Anfang, Mitte und Ende wird es jedenfalls nicht sein, sagt K.


Tobias Hülswitt | Das Gartenfest | 2007
Geschrieben im Sommer 2007 zum Vortrag auf dem Gartenfest des Berliners Autors Michael Lentz, nach der Lektüre der 'Antimetaphysischen Vorbemerkungen' von Mach. Auf einer Hollywoodschaukel gesessen mit Herrn Werner Fritsch und Herrn Wolfgang Herrndorf. Nervös gewesen, deshalb wärend des gesamten Vortrags geschaukelt. Herrndorf und Fritsch automatisch mitgeschaukelt. Aber was heißt da 'Fritsch' und 'Herrndorf' und 'ich'. Es gibt ja kein 'ich' und kein 'die beiden'. Jeder für sich ein Elementeverbund, verbunden mit anderen Elementeverbünden. 'Wir' waren 'Hollywoodschaukel schaukelnd und lesend, hörend und Garten etc.'


Florian Thalhofer | Die Welt ist eine Woke (DE) / The World Is A Cloud (ENG) | 2007
Die Wolke ist ein Welterklärungsmodell. Die Wolke ist ganz ernst gemeint, im Sinne eines nicht abschließenden Vokabulars, im Sinne eines praktischen Konzepts, mit dem sich arbeiten lässt. Pragmatik statt Wahrheit. Es wird also niemand gekillt, der die Wolke nicht glaubt. Im übrigen werden die meisten Menschen behaupten, sie hätten kein Welterklärungsmodell. Warum nicht? Weil die Welt viel komplexer sei als unsere Konzepte es jemals sein könnten. Womit wir mitten in einem Welterklärungsmodell wären. Einem World Explanation Model, kurz: WEM. (GEN – MEM – WEM)


Hannes Achtelik, Christus von Marx | Führer oder Langeweile – Über Panikmache in den Künsten | 2006
Demokratie als die zwangsläufig langsweiligere Erzählung. Der Souverän wird ersetzt durch elabortierte demiokraitsche Strukturen. Je mehr Struktur, desto weniger Raum für das Schicksal. Je mehr Strukturen, desto mehr Mittelstand, je mehr Mittelstand, desto weniger Tragödie. Und Drama. Der Aufstieg kürzer, der Fall weniger tief. This is not America.


Tobias Hülswitt | Nevada | 2005
Geschrieben für die Rubrik Ökologie in Jim Avignons Buch 'Welt und Wissen'. Fünf Jahre nach Saga.


Florian Thalhofer | Anatomie | 2005
Geschrieben für die Rubrik Anatomie in Jim Avignons Buch 'Welt und Wissen'.


Tobias Hülswitt | Sachte wird das Schaf gemolken (DE) | 2003
Im Sommer 02 Thalhofer kennengelernt und [kleine welt] gesehen. Hin und weg gewesen: Alles was ich mit 'Saga' (KiWi 2000) im Buch versucht hatte, funktionierte hier in Bild und Ton und computerbasiert, so leicht und wunderbar, vollkommen neu und doch schon mit der Anmutung eines Klassikers. In der Beschäftigung mit der [kleinen welt] gingen mir schlagartig die psychologischen, politischen, gesellschaftlichen Implikationen der Art und Weise auf, in der wir erzählen. Das ganze in dieser Rezension der [kleinen welt] für die Literaturzeitschrift EDIT notiert.


Heinz Emigholz | Interaktive Narration (DE) | 2002
Vorlesung des von uns hochgeschätzten Heinz Emigholz am Institut für Zeitbasierte Medien der UdK in Berlin, gehalten am 6. Februar 2002 (s. Das Schwarze Schamquadrat, Martin Schmitz Verlag, Berlin 2002). Emigholz führt hier das Vokabular ein, das wir bis heute für die Theorie nonlinearer (und interaktiver) Narration verwenden. (Das Interaktive an der sogenannten Interaktiven Narration halten wir für überbewertert, eine nicht-interaktive Narration für schwer vorstellbar. Auch das Umblättern einer Buchseite oder das Platznehmen in einem Kinosessel sind Interaktionen, ohne die es nicht los- und nicht weitergeht. Freilich öffnet die durch die Notwendigkeit einer bewusst assoziativen Entscheidung angereicherte Interaktion z.B. beim Anschauen eines Korsakowfilms andere Möglichkeiten der Partizipation, als wir es vom Buch und vom Film her gewohnt waren. (Auch dort gibt es solche Möglichkeiten, aber eigenartigerweise lesen wir auch Neumeisters 'Angels Davis löscht ihre Website' oder David Markssons 'This is not a novel' von vorne nach hinten, obwohl es durchaus anders ginge.) ) Emigholz' Essay aus Anlass des Lehrauftrags 'Erzählen 2.000' an der Akademie der Bildenden Künste in München noch einmal gelesen – und noch einmal platt gewesen, wie klug der Text war und ist. Ein Grundlagentext nonlinearer Narration. Kaum ein Problem dieser Erzählform, das darin nicht erwähnt werden würde.


Florian Thalhofer | If Then (DE) / If Then (ENG) | 2002
Notizen von Florian Thalhofer zur Erfindung des Korsakow-Systems. Auf den Punkt in klaren, linear intakten Sätzen! Geschrieben im Jahr 2003. Erst Jahre später bemerkten wir, dass der Absatz über die millimetergenau platzierten Köpfe der Zuschauer wie ein ideologischer Fremdkörper in diesem Text steht. Contradictions. – Yes, contradictions! Der Absatz entstand vermutlich unter gedanklichem Einfluss der Amsterdamer Schule der Theorie des korsakow systems und der interaktiven Narration, die ihren Hauptaugenmerk über Jahre auf die Interaktion und die mit ihr verbundenen Möglichkeiten der Manipulation des Betrachters statt aufs Nonlineare legte. Nicht, dass das korsakow system und nonlineare Narration im allgemeinen nicht die Möglichkeit zur Propaganda in sich trügen. Die Frage ist aber, ob man den Kopf des Betrachters überhaupt da haben will, wo man ihn gerne hätte, oder nicht lieber dort, wo er ihn selbst haben will. Letzteres scheint uns angenehmer. Schmackhaft machen statt manipulieren.
Im übrigen sind Interaktive Narration und Nonlineare Narration nicht dasselbe, auch wenn die Begriffe im Bereich des computerbasierten Erzählens häufig als Einheit fallen. Der Begriff der Interaktion ist im Zusammenhang mit Narration, sofern er eine Besonderheit des computerbasierten Erzählens beschreiben soll, höchst problematisch. Denn so besonders ist sie, wie gesagt, nicht, denn keineswegs gibt sie nur exklusiv hier. Aber das ist eine andere Geschichte und wird ein andermal erzählt.